Kati Reiter

Momo kam 4-jährig zu mir. Lackschwarz. Eine halbe Portion, die frech für 5 war.

Unsere Probleme begannen als Momo langweilig wurde. Ich war bereits im 4. Monat schwanger, daher wollte ich mit dem Anreiten bis nach der Geburt warten. Sie lernte in atemberaubenden Tempo allerlei Zirkuslektionen, die ich so ausgrub, und wurde frech, wenn nicht schnell genug neuer Input von mir kam. Wir begannen daher mit Bodenarbeit, wie ich sie bis zu diesem Zeitpunkt praktiziert hatte- sprich longieren auf Tempo unter Gebrauch von Ausbindern.

Leider erkannte ich sehr bald, dass Momo plötzlich nicht nur erhebliche Taktprobleme bekam, auch ihre Begeisterung schwand soweit, dass sie sogar auf ihre Gewohnheit verzichtete aus dem letzten Winkel der Koppel auf mich zuzugaloppieren. Sie wurde zunehmend bockig- wir mussten etwas ändern, denn so ging es nicht weiter.

Zum Glück kam mir der Zufall zu Hilfe -in Form von Bent Branderup, der einen großartigen Kurs in Graz gab. Vom ersten Moment an war ich fasziniert von dieser Reitweise. Beeindruckt vom logischen Aufbau, der Leichtigkeit und Harmonie mit der gearbeitet wurde, bat ich Silke Linhart um Hilfe bei der Ausbildung meines Jungpferdes. Die Möglichkeit vom Boden aus eine komplette Basisausbildung zu durchlaufen, war eine völlig neue Überlegung, die Momo sofort begeistert aufnahm.
Natürlichkeit und Harmonie stehen im Mittelpunkt der flexiblen Arbeit, die sich an jedem Pferd und an jedem Reiter individuell orientiert und auf die Verschiedenheiten von Körperbau und Charakter eingeht.

Ich verbrachte die nächsten Monate damit meinem Minipferdchen die Hilfen zu erklären und Seitengänge an der Hand zu erarbeiten und war hin und weg – außerdem stürmte mir Momo bald wieder fröhlich entgegen, wenn ich sie von der Weide holte.
Bereits eine Woche nach der Geburt meines Sohnes erlag ich der Versuchung zu reiten. Erstaunlicherweise verstand Momo sofort alle vom Boden aus eingeführten Hilfen und sowohl Schritt- als auch Trabarbeit gestalteten sich völlig unproblematisch.

Derzeit arbeiten wir an den Seitengängen im Trab und an den Schrittpirouetten sowie der Galopp- und Töltroutine. Momo ist jetzt 7 und ein absolutes Traumpferd, das nicht nur brav mitarbeitet, sondern auch für jeden Spaß (und Blödsinn) zu haben ist. Mein kleiner Sohn darf sie nicht nur reiten, sondern auch unter ihrem Bauch stehen, zwischen ihren Beinen durchkrabbeln und sie an den Nüstern ziehen.
Einen großen Anteil daran hat die Akademische Reitweise, die mein fröhliches Pferd weiterhin fröhlich und lebenslustig sein lässt.